Beteiligungen

Auszug aus dem Jubiläumsbuch 70 Jahre Veitscher Magnesitwerke


c) Magnesit-Industrie und Bergbau-A. G.

Von den an sich nicht sehr bedeutenden Magnesitvorkommen in Arzbach bei Neuberg im Mürztal hatte bereits Carl Spaeter im Jahre 1889 die beiden wichtigsten Aufschlüsse für Veitsch gesichert. Die stark ansteigende Nachfrage nach Magnesit im ersten Jahrfünft des 20. Jahrhunderts ließ nun aber auch mittlere und kleinere Lagerstätten der Ausbeutung wert erscheinen. Und so fand eines der von Veitsch wegen seiner bescheidenen Mächtigkeit nicht gedeckten Arzbacher Vorkommen 1905 doch auch einen Käufer, der es verstand, ungarische Finanzkreise für ein hier aufzubauendes Magnesitwerk zu interessieren. Bereits 1906 wurde für Ausbeutung der Arzbacher Lagerstätte die Magnesitindustrie- und Bergbau A. G. mit dem Sitz in Budapest gegründet, deren Aktienkapital von anfänglich K 600.000.- in 3000 Aktien zu je K 200.- zerlegt wurde. Noch im selben Jahre wurden vier Schachtöfen mit Generatoren errichtet, deren Kapazität man in Veitsch auf jährlich 15.000 t schätzte; doch wurde in den ersten Jahren fast ausschließlich kaustisch gebrannter Magnesit erzeugt, erst später wandte man sich auch der Sinterproduktion zu.

Das Unternehmen gedieh nicht. Das kam nicht zuletzt in wiederholten Veränderungen der finanziellen Struktur der neuen Gesellschaft  zum Ausdruck: 1907 Kapitalserhöhung, 1911 Kapitalsreduktion, 1912 Abwertung der Aktien und Neuemission, 1913 neuerliche Herabsetzung des Kapitals und Neuemission, vier Jahre darauf wieder Kapitalserhöhung, - ein wildes Auf und Ab, dem auch die Bilanzen entsprachen: 1912 Verlust von K  800.000.-, 1917 Gewinn von  K 87.372.-, und das erst zum Stillstand kam, als die Allgemeine Depositenbank 1917 die Mibag-Aktien an sich brachte.

            Eine der Depositenbank nahestehende Gruppe gründete nun im März 1920 die Steirische Magnesit-Industrie A. G. ("Steirische MIAG."), an die im Juli d. J. 99% der Mibag-Aktien übergingen.. Dieselbe Gruppe war aber auch Eigentümerin der Montana Bergbau Ges. m. b. H., die mit 20 % des Aktienkapitals. die Steirische MIAG. kontrollierte - 80 % der Aktien der "Steirischen" waren in kleinen und kleinsten Beträgen im Publikum verstreut - und auch den Verkauf ihrer Erzeugnisse übernommen hatte.

            Es schien fast, als wollte sich die Depositenbank einen Magnesitindustriekonzern aufbauen: die Steirische MIAG. besaß die Lagerstätte bei Oberdorf und verfügte durch die Mibag über ein Vorkommen bei Arzbach, die Montana hatte bereits 1919 die Mayr-Melnhofsche Fabrik für feuerfeste Produkte bei Leoben gekauft, sie verfügte über Braunkohlengruben, die die Versorgung der Steirischen MIAG. weitaus decken konnten, sie hatte ein kleines Magnesitvorkommen bei Breitenau gedeckt, und nun, 1921, erwarb sie auch noch zwei Grundstücke bei Arzbach, auf denen sich die Veitscher Gesellschaft bis 1940 laufende Abbaurechte grundbücherlich gesichert hatte. Und dieser Kauf führte zu einer ersten, feindlichen Berührung Veitschs mit der Montana, die nunmehr von der auf ihrem Grund abbauberechtigten Veitscher Gesellschaft im Klageweg die Aufhebung und grundbücherliche Löschung des Veitscher Vertrages begehrte, mit der Begründung, es handle sich um einen gegen die guten Sitten verstoßenden Stillegungsvertrag, der überdies, da er kein Pachtvertrag sei, keine Intabulationsfähigkeit besitze. Nachdem die Montana ihren Prozeß bereits in zwei Instanzen verloren hatte, versuchte sie durch einen vernünftigen Ausgleich in den Besitz der von ihr bestrittenen Abbaurechte zu gelangen. Aber erst als sie der Veitscher Gesellschaft das Anbot stellte, ihr die : Generalvertretung der Erzeugnisse der Steirischen MIAG. zu überlassen, zeigte sich der Verwaltungsrat zu Verhandlungen bereit. Nebenher hatte auch die Mibag mit Zession der Grundstückbesitzer eine Klage gegen Veitsch laufen, und zwar wegen Nichteinhaltung zweier Abbauverträge. Die Klagebegründung war zutreffend: Veitsch hatte wohl die Grundpachtbeträge, nicht aber die für den Abbau bedungenen Entschädigungssummen bezahlt. Trotzdem war die Lage Veitschs nicht ungünstig. Denn sehr zur rechten Zeit kam die Mibag zur Einsicht, daß die Durchführung dieses Prozesses nicht nur für Veitsch, sondern auch für sie selbst unangenehme Folgen nach sich ziehen könnte, da ein Urteil, das ihrem Verlangen stattgegeben hätte, die Auflösung vieler laufender Abbauverträge hätte nach sich ziehen müssen. Und so zeigte sich denn auch die Mibag nur zu bald einem gütlichen Einvernehmen geneigt. Aber da ja alle diese Verhandlungen sich in die Länge zogen, erfloß im Herbst 1922 in dem in der Zwischenzeit weitergeführten Prozeß der Montana das Urteil der dritten Instanz: sie wurde  mit ihrem Klagebegehren endgültig abgewiesen. Doch das blieb nun schon ohne Einfluß auf die weitere Entwicklung, denn mittlerweile war man sich in den Besprechungen über eine enge Verkaufsgemeinschaft von Veitsch-Miag (Budapest) einerseits und Steirischer MIAG. andererseits schon sehr nahe gekommen, und in dem wenige Monate später, am 1. März 1923, unterzeichneten Vertrag überließ Veitsch für die Dauer der Verkaufsgemeinschaft der Steirischen MIAG. die fraglichen Abbaurechte.

            Hatte schon mit dem übereinkommen vom März 1923 die ohnehin bescheidene metallurgische Produktion der Steirischen MIAG. für Veitsch weitgehend an Interesse verloren, so war sie nach der Aufrichtung der Vereinigung der Magnesitwerke 1925 dadurch, daß Veitsch die der Steirischen MIAG. zugeteilte Lieferquote für sich und die Budapester Mag erwarb, gänzlich ausgeschaltet worden. Aber dieser Quotenkauf bot doch nur eine ziemlich beschränkte Gewinnmöglichkeit für die Veitscher Gesellschaft, die allein etwa 1927 rund $ 70.000.- an die Steirische MIAG. an Entschädigung zu zahlen hatte. Nicht zu verwundern, daß Veitsch sich dieser drückenden Leistung gerne entledigen wollte. Es förderte die auf dieses Ziel gerichteten Wünsche ungemein, daß so um 1927 die Montana, die die Steirische MIAG. kontrollierte, in die Interessensphäre der Boden-Credit-Anstalt kam, deren Gouverneur Exz. Dr. Rudolf Sieghart damals auch Präsident der Veitscher Gesellschaft geworden war. Ursprünglich hatte man an eine Erwerbung des im Besitze der Montana befindlichen Aktienpaketes der Steirischen MIAG. gedacht, doch schienen 20 % des Aktienkapitals ein für die dauernde Kontrolle des Unternehmens zu geringer Besitz. Es wurden daher die Verhandlungen darauf abgestellt, von der Steirischen MIAG. die sämtlichen greifbaren Aktien der Mibag zu erwerben, in deren Händen sich das Werk Neuberg mit den dazu gehörenden metallurgischen Magnesit führenden Terrains (Arzbach) befand - die Grundlage der Stellung der Steirischen MIAG. als Produzent metallurgischen Magnesits (die eigenen Betriebe der Steirischen MIAG. Oberdorf und Kraubath produzierten nur. kaustischen Magnesit). In langwierigen Besprechungen, bei denen Veitsch von der Boden-Credit- Anstalt nachdrücklich unterstützt wurde, gelang es, den Kaufpreis um eine halbe Million Schilling auf S 1,200.000.- herabzudrücken. Für diesen Betrag erhielt Veitsch laut dem mit 18. Oktober 1927 in Kraft tretenden Vertrag 9924 Stück Mibag-Aktien, die 99,24% des gesamten Aktienkapitals repräsentierten (die fehlenden 76 Stück waren "unbekannten Aufenthaltes" und konnten trotz allen Bemühungen nicht festgestellt werden). Damit wurde die "Veitscher" Eigentümerin von Neuberg-Arzbach, Eigentümerin einer vollständigen Anlage zur Erzeugung von metallurgischem Magnesit und einer Anzahl Magnesit führender Grundstücke, die zwar nicht sehr reich waren, aber doch ungefähr 100.000 t hüttenfähigen Rohmagnesit bargen. Das Wichtigste aber war, daß die Steirische MIAG. mit " diesem Verkauf aus der metallurgischen Magnesitindustrie ausschied - sie übernahm überdies die vertragsmäßige Verpflichtung, in den nächsten zwanzig Jahren weder metallurgischen Magnesit selbst zu erzeugen noch sich direkt oder indirekt an einem Unternehmen zur Erzeugung metallurgischen Magnesits zu beteiligen. überschlägt man die von Veitsch an die Steirische MIAG. jährlich zu zahlenden Entschädigungsbeträge, so darf der Kaufpreis für die Mibag billig genannt werden - in den nächsten dreieinhalb bis vier Jahren hätte Veitsch die gleiche Summe bezahlen müssen, ohne in den Besitz Neubergs zu kommen.

    Das Werk Neuberg-Arzbach wurde nur kurz betrieben. Bereits 1930 wurde es stillgelegt und demontiert.

d) Die Eichbergwerke:, Leitner & Co. und Magnesitwerke Eichberg-Aue Ces. m. b. H.

Das Magnesitvorkommen des Eichberges bei Gloggnitz, obwohl nur von mittlerer Größe, war von Anfang an stark umworben. Carl Spaeter schloß bald nach Aufdeckung der Lagerstätte, 1895/96, mehrere Abbauverträge und erwarb 1898 einen Steinbruch und mehrere Parzellen zu Eigentum. Spaeter blieb jedoch nicht allein. Noch vor der Jahrhundertwende (<1899) tat sich in seiner unmittelbaren Nähe ein Konkurrenzbetrieb - Leitner & Co. - auf, der, wenn er auch Veitsch natürlich nicht gefährlich werden konnte, doch, wie sein Bemühen um mehrere Vorkommen bei 134 Breitenau (1900) erkennen läßt, über eine gewisse Expansionskraft verfügte und von der Veitscher Werksdirektion argwöhnisch beobachtet wurde. Allerdings, der Mangel an erfahrenen Fachleuten, hohe Gestehungskosten, vielleicht auch Geldknappheit und nicht zuletzt die Unmöglichkeit räumlicher Ausdehnung infolge der Deckungsverträge und -käufe Veitschs gaben dem Unternehmen kein rechtes Gedeihen. Und so entschlossen sich die Gesellschafter der Fa. Leitner & Co. - Wilhelm Leitner, August Bermann, Robert Beck und Gustav Eisenschimmel - im Herbst 1902, das Werk der Veitscher Gesellschaft zum Kauf anzutragen.

            Der Verwaltungsrat zögerte, denn er sah Veitsch durch den Eichberg in keiner Weise bedroht und wußte auch, "daß ein rentabler Abbau nur auf den Nachbarparzellen des Leitnerschen Werkes betrieben werden könne, die ja der Gesellschaft gehörten". So kam der Eichberg für Veitsch bestenfalls als Reserve in Betracht, und dafür wollte man nicht mehr als höchstens K 100.000.- aufwenden, eine Summe, die weit unter der Hälfte des von Leitner & Co. gestellten Begehrens blieb. Da Leitner & Co. ihre Forderung nicht ermäßigen und Veitsch seinem Anbot nichts zulegen wollte, zerschlug sich die Verhandlung.

            Aber der Eichberg verschwand nicht mehr aus dem Blickfelde und den Überlegungen der Veitscher Gesellschaft. Sie war - embarras de richesse - in eine schwierige Lage geraten: die Bestellungen häuften sich, das Veitscher Werk vermochte sie nicht annähernd zu erfüllen, die Rückstände wuchsen von Monat zu Monat und mit ihnen die Gefahr, die Kundschaft an die Konkurrenz zu verlieren und - Veitsch war einfach ( außerstande, seine Leistungsfähigkeit so zu steigern, daß eine klaglose Auslieferung aller eingehenden Aufträge gesichert gelten konnte. Da gedachte man denn, die Lieferfähigkeit Veitschs durch die Kapazität des Eichbergwerkes zu verstärken. Zunächst vielleicht, indem man es in Pacht nahm. Zwar Präsident Carl Spaeter lehnte den Gedanken ab. Er war nicht einmal so sehr gegen ein Heranziehen gerade des Leitnerschen Eichbergwerkes als überhaupt grundsätzlich gegen jedes Zusammengehen Veitschs mit einem Konkurrenzunternehmen. Er huldigte dem Grundsatz: "Der Starke ist am mächtigsten allein", und vertrat die Meinung, daß bei einem solchen Bündnis das kleinere Unternehmen stets mehr gewinne als das größere, dieses werde durch Rücksichten gehemmt, jenes erkräftige sich ,durch die Anlehnung an das große Werk: das Ergebnis heiße Stärkung der Konkurrenz. Spaeters Schwiegersohn, Kommerzienrat v. Oswald, dagegen verkannte nicht, daß es einen anderen Weg, die Veitscher Erzeugung sofort zu heben, nicht gebe; er hoffte auch, daß es gelingen werde, in einer Pachtzeit  von etwa sechs Monaten den über Tag anstehenden Magnesit am Eichberg soweit abzubauen, daß das Werk "eine Basis für die weitere Betriebsfähigkeit nicht mehr besitze". Außerdem, meinte er, biete die Pacht der Leitnerschen Anlagen die Möglichkeit, die eigenen Brüche am Eichberg aufzuschließen, zu untersuchen und den hier gewonnenen Rohmagnesit allenfalls gleich zu verhütten - kurz, einen Probebetrieb einzurichten, dessen Ergebnisse für die Frage eines späteren Ankaufes des Leitnerschen Unternehmens ausschlaggebend werden mußten.

            Veitsch war in einer peinlichen Verlegenheit, und Leitner & Go. wußten darum. Sie boten den Eichberg um K 234.000.- zum Kauf oder für K 6000.- auf sechs Monate zur Pacht an, ohne Vorkaufsrecht. Carl Beel als bergmännischer Fachmann riet von einer Erwerbung ab, da er glaubte, das Leitnersche Vorkommen werde nach zweijährigem Abbau erschöpft sein, der Eigenbesitz an Magnesit aber sei noch nicht genügend aufgeschlossen, um einen erfolgreichen Betrieb zu gewährleisten. Dieses Urteil bestimmte den Verwaltungsrat, der in seiner Sitzung vom 21. März 1903 den ganzen Fragenkomplex erörterte, von einem Kauf abzusehen, dagegen in Verhandlungen über eine Pachtung einzutreten, die man sich ungefähr so vorstellte: "Pachtung auf ein Jahr mit der Option für ein weiteres Jahr mit unterliegendem Kaufrecht zu K 200.000,- unter Einrechnung des bezahlten Pachtschillings von K 10.000.- bis K 12.0000.- pro anno." Noch war allerdings der Widerstand Carl Spaeters zu überwinden. Es gelang, gelang durch das überzeugendste Argument, durch einen sprunghaft ansteigenden amerikanischen Bedarf an Stampfmasse, den zu bewältigen dem Veitscher Werk trotz des gleichzeitig beschlossenen Neubaues zweier Schachtöfen nicht möglich war.

            Am 30. März 1903 kam nach schwierigen Verhandlungen ein Pachtvertrag zwischen Veitsch und Leitner & Go. auf folgender Grundlage zustande: Die Veitscher Gesellschaft pachtet die der Firma Leitner & Go. eigentümliche Magnesitfabrik in Eichberg, wie sie liegt und steht, also mit allen zu ihr gehörigen Utensilien für die Zeit vom 1. April 1903 bis 30. September 1903 um einen Pachtschilling von K 5833.33; sie verpflichtet sich, während der Pachtdauer den Betrieb tatsächlich zu führen, das Werk in betriebsfähigem Zustand zurückzugeben und überhaupt nichts zu tun, was die Fortführung des Betriebes durch die Fa. Leitner & Go. in irgendeiner Weg hindern, erschweren oder auch nur mangelhafter gestalten könnte; die verpachtende Firma hat die Verpflichtung, das Pachtobjekt samt allem Grund und sonstigem Zubehör der pachtenden Gesellschaft um den Kaufpreis von K 217.000.- bar lastenfrei zu verkaufen und zu übergeben, wenn die Pächterin innerhalb der Pachtdauer erklärt, daß sie das Pachtobjekt kaufen will; die Pächterin erlegt zu handen der verpachten- den Firma einen Betrag von K 12.000.- für das Optionsrecht, welcher Betrag im Falle des Verkaufes gleichwie auch die bezahlte Pachtsumme von der Kaufsumme in Abrechnung kommt; nach Ablauf der Pachtdauer steht es der Veitscher Magnesitwerke A. G. frei, dieses übereinkommen auf weitere sechs Monate in gleicher Weise zu erneuern; sollte die Fa. Leitner & Co. zu dieser Erneuerung ihre Einwilligung versagen, so ist sie gehalten, die für die Option erlegten. K 12.000.- an die Veitscher Gesellschaft zurückzuerstatten.

            Der Vertrag war nicht glücklich gefaßt worden. Man war etwas übereilig vorgegangen, hatte die vereinbarten Punkte, ohne sie juristisch scharf zu formulieren, paraphiert und die Ausarbeitung des endgültigen Vertrages dem Anwalt der verpachtenden Firma überlassen, der durch Zusätze und Veränderungen einen den Absichten der Veitscher Gesellschaft widersprechenden Text erstellte. Vor allem erhob sich schon drei Wochen nach Vertragsabschluß ein Zwiespalt der Meinungen darüber, ob die für das Ankaufsrecht vorgesehene Zahlung von K 12.000.- eine bloß einmalige sein sollte, wie es der Gesellschaft vorschwebte, oder ob sie bei Pachtverlängerung auf ein zweites Halbjahr neuerlich erlegt werden müßte, wie die Fa. Leitner & Co. behauptete. Es stellte sich aber auch heraus, daß die am Eichberg vorhandenen Utensilien, Vorräte von gebrochenem Rohmagnesit sowie das vorhandene Stockgeleise samt der Brückenwaage Eigentum der Ungarischen Magnesit-Industrie A. G. waren und die Fa. Leitner & Co. darüber kein Verfügungsrecht besaß. Ob nun auch vielleicht die wesentlichsten Unstimmigkeiten im Verhandlungswege ausgeglichen werden konnten, Gewerke Hermann Bührlen hatte doch nur zu recht, wenn er in der Verwaltungsratssitzung vom 26. April 1903, in der der Vertrag vorgelegt wurde, die Befürchtung aussprach, daß man bei solchem Verhalten der Gegenseite doch nicht ohne Prozeß aus der Sache herauskommen werde; er hätte den umstrittenen Vertrag am liebsten annulliert gesehen und meinte, daß die Schwierigkeiten, welche der Gesellschaft durch den geringen Mehrversand allenfalls erspart würden, durch die noch bevorstehenden Unannehmlichkeiten wahrscheinlich weit überwogen wer- den würden. Da Veitsch aber einen gerichtlichen Austrag unbedingt vermeiden wollte, beschloß der Verwaltungsrat, mit der Fa. Leitner & Co. wegen eines Pachtabschlusses auf ein ganzes Jahr zu unterhandeln und dabei zu versuchen, möglichst günstig herauszukommen; man wollte sogar eine Verdopplung der Kaution hinnehmen, wenn der Abschluß davon abhinge, alle anderen, nachträglich vorgebrachten Forderungen jedoch rundweg ablehnen.

            Anfänglich waren wenigstens die Betriebsergebnisse, namentlich die Aufschlußarbeiten in den eigenen Brüchen, die einen ausgezeichneten Magnesit erbrachten, so befriedigend, daß man eine käufliche Erwerbung des Eichberges in ernsthafte Erwägung zog. Aber im weiteren Verlauf entsprachen dann die Erfolge doch keineswegs den gehegten Erwartungen: die gesamte Werkseinrichtung befand sich in einem so desolaten Zustand, daß ihre Herstellung hohe Kosten verursachen mußte, die durchgeführten Brennproben hielten einen Vergleich mit Veitsch nicht aus und eine Wasserrechtsservitut zugunsten der Südbahn drohte für den Bruchbetrieb zu einer empfindlichen Hemmung zu werden. Nicht unbegreiflich, wenn im Verwaltungsrat über die Eilfertigkeit, mit der die Eichberger Einrichtungen überprüft worden waren, manches harte Wort fiel. So entschloß man sich, das verlustbringende Experiment - es kostete rund K 22.000.- - zu beenden, und teilte der Fa. Leitner & Co. unter Abbruch aller noch " laufenden Verhandlungen mit, daß auf eine Fortsetzung der Pacht über den 30. September 1903 hinaus seitens der Gesellschaft nicht zu rechnen sei.

Die Pachtung war man glücklich los, aber dafür hatte man jetzt wieder mit der Eichberger Konkurrenz zu rechnen, wie man denn alsbald von Sinterlieferungen an Endres in Leoben hörte, der daraus Ziegel für die Alpine Montangesellschaft brannte. überdies war man mit Leitner & Co. nun zu guter Letzt doch noch in einen Rechtsstreit über eine größere Menge während der Veitscher Betriebsführung geförderten und bei Beendigung der Pacht zurückgelassenen Rohmagnesits geraten. Da gaben die im Jänner 1905 abgeschlossenen Vereinbarungen mit der Mag, Budapest, den Dingen eine ganz  neue Wendung.

Im Nachhange zu der am 16. Februar 1905 abgeschlossenen Verkaufsgemeinschaft mit der Mag wurde am gleichen Tage zur Ausschaltung der Konkurrenz vereinbart, daß die Mag die Magnesitwerke Friedmann & Roth und Alexander & Liebermann, Veitsch das Eichbergwerk Leitner & Co. für eigene Rechnung erwerben solle; die Zinsen (4 %) der ausgelegten Kaufbeträge, die Pachtschillinge und die Kosten der Werkserhaltung (im Falle der Außerbetriebsetzung) würden gemeinsam - von Veitsch zu 70 %, von der Mag zu 3090 - getragen werden.

            Jetzt griff Veitsch ohne Zögern zu. Verwaltungsrat Wilhelm Hirsch erhielt in der Verwaltungsratssitzung vom 3. März 1905 Auftrag und Voll macht, das Leitnersche Werk um den Betrag von K 234.000.- zu kaufen, - er konnte bereits am 29. März einen auf diesem Limit aufgebauten Vertragsentwurf vorlegen, der die einstimmige Genehmigung des Verwaltungsrates fand und am 1. April rechtsgültig unterzeichnet wurde. Die Übernahme der Anlagen durch Veitsch erfolgte am 16. September, die Gesellschaft machte, schon um die Öfen in betriebsfähigem Zustand zu erhalten, alle Anstrengungen, das Werk in Gang zu bringen, und zu Ende des Jahres war auch wirklich bereits eine Produktion von 600 t monatlich erreicht. Das Werk stand bis auf kriegs- und krisenbedingte Unterbrechungen (1917/18 und 1931/33) bis 1935 in Betrieb; in diesem Jahre wurde es stillgelegt und in der weiteren Folge demontiert.

Die Leitnerschen Aufschlüsse und die eigenen Brüche der Gesellschaft lagen an den Nordhängen des Eichberges. Ungefähr zur gleichen Zeit nun, da Veitsch das Leitnerwerk erwarb, nahm ein neues Unternehmen die Ausbeutung des Vorkommens von Süden, von Aue her, in Angriff. Das neue Unternehmen nannte sich "Magnesitwerke Eichberg-Aue Ges. m. b. H."; Gesellschafter waren H. W. Mac Garvey, Präsident der Galizischen Karpathen-Petroleum A. G.,  Ing. Richard Dryander, Erik v. Jurie und Dr. Eugen v. Ullmann; das Stammkapital betrug K 300.000.-; Geschäftsführer war lng. Richard Dryander. Bereits im März 1906 wurde ein Versuchsstollen vorgetrieben, von dem man bei der Gesellschaft allerdings wissen wollte, daß er, zunächst wenigstens, außerordentlich ungünstige Resultate gezeitigt habe. Und schon beginnt auch Veitsch seine Gegenmaßnahmen zu treffen. Grundkäufe und Erwerbung von Abbaurechten engen die Ausdehnungsmöglichkeiten "Eichberg-Aues" ein. Und dann, nimmt die Gesellschaft den Konkurrenzkampf auf: Veitsch ist jetzt in der Lage, jenen Firmen, die zu Eichberg-Aue abgewandert sind, gleichfalls Eichberger Magnesit zu gleichen oder sogar niedrigeren Preisen anzubieten wie das neue Unternehmen!

            Doch  Ing. Dryander war ein zäher Gegner. Und als er 1912 endlich verhandlungsreif schien, wollte Veitsch keinen Vorteil in einer Pachtung oder einem Erwerb Eichberg-Aues zu den von Dryander gestellten Bedingungen sehen. Man sagte sich sehr nüchtern, daß die frachtentarifarische Lage Eichbergs "für sämtliche Relationen mit Ausnahme von Österreich in der Richtung Gloggnitz-Wien, Schlesien und Ungarn" viel ungünstiger war als die der Werke Veitsch, Breitenau und Trieben. Und für nordwärts gelegene Bestimmungsstationen war Veitsch durch sein eigenes Eichbergwerk ohnehin wettbewerbsfähig; sollte aber Eichberg-Aue die Preise der Gesellschaft in einem Ausmaße zu unterbieten versuchen, daß die Eichberger Eigenwerksselbstkosten dabei nicht mehr zu bedecken wären, dann würde Veitschs "Alliierter", die Budapester Mag, in den Kampf eingreifen. Und zwar mit Preisen, die für die Gemeinschaft immer noch verhältnismäßig günstig heißen konnten, für Eichberg-Aue aber schon einen Verlust bedeuten würden. Für Veitsch recht störend war allerdings die Belieferung der Fa. Willisch & Co. in Homberg durch Eichberg-Aue, weil Willisch & Co. mit ihren schlechten Preisen das Ziegelgeschäft verdarben. Aber deshalb Eichberg-Aue kaufen, hätte doch nur einen Sinn gehabt, wenn man hätte Gewißheit erlangen können, daß nicht andere Magnesitwerke an die Stelle Eichberg-Aues treten würden. Außerdem glaubte man bei Veitsch zu wissen, daß Eichberg-Aue an Willisch & Co. zu Verlustpreisen liefere, die das Werk sich nicht lange würde leisten, können. Alle diese Umstände bestimmten die Gesellschaft, das Anbot Richard Dryanders, Eichberg-Aue gegen eine jährliche Entschädigung von K 40.000.- stillzulegen, abzulehnen. Und auch der begehrte Kaufpreis von K 250.000.- schien Veitsch weitaus zu hoch; man glaubte ihn zwar bis auf K 150.000.- herabdrücken zu können, einen Betrag, den das Werk gewiß wert war, wollte aber doch "die Leute nochmals an die Gesellschaft herantreten lassen" - allein "die Leute" kamen nicht. Und so arbeitete man denn feindlich-freundlich - mehr jenes als dieses - noch über ein Jahrzehnt nebeneinander fort, Veitsch am Nordhang, Dryander am Südhang des Eichberges, bis der durch den ersten Weltkrieg bewirkte grundstürzende Wandel auf dem Magnesitmarkt und die außerordentlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit Eichberg-Aue dann doch zwangen, einen Weg zu Veitsch zu suchen.

            Es war eine ehrenvolle Kapitulation. Als durchaus gleichberechtigter Partner schloß sich Eichberg-Aue mit Vertrag vom 4. August 1923 der Verkaufsgemeinschaft Veitsch-Miag (Budapest)-Steirische MIAG. an. Die Magnesit A. G. (Basel) erhielt den Auslandsalleinverkauf nunmehr auch für die Erzeugnisse Eichberg-Aues, im Raume der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie übernahmen Veitsch und Mag die Vertretung. Die drei schon bisher zu einer Verkaufsgemeinschaft zusammen- geschlossenen Gesellschaften machten sich verbindlich, "daß Eichberg-Aue durch die gemeinsame Verkaufsorganisation Aufträge im Umfang von 4,5 % der gesamten Aufträge der sämtlichen Magnesitwerke zur Lieferung zugewiesen würden". jedenfalls aber garantierten sie Eichberg-Aue "jährliche Aufträge für 4500 t Sintermagnesit oder Rohmagnesit bzw. für die nachgewiesene Gesamtproduktion eines Ofens". An der Bestellung des Kontrollbüros war Eichberg-Aue nicht beteiligt, hatte aber natürlich das Recht, "jederzeit durch ein ordnungsgemäß bevollmächtigtes Organ Kontrolle über die Geschäftsführung dieses Büros zu üben". Eichberg-Aue übernahm die Verpflichtung, weder Düsen noch kaustischen Magnesit zu erzeugen, und übernahm im übrigen hinsichtlich Preisfestsetzung und Verkaufsbedingungen, Aufteilung der Lieferungen und Bestimmung der Verkaufsfähigkeit der Ware, Berechnung der Durchschnittslöhne und Bereinigung von Lieferversäumnissen, Betriebsstörungen und Warenbeanstandungen die gleichen Verbindlichkeiten, die Veitsch, Mag und Steirische MIAG. auf sich hatten. Der Vertrag - mit Eichberg-Aue trat mit 1. September 1923 in Kraft und galt auf die Dauer von drei Jahren, also bis 1 31. August 1926, abgeschlossen.

            Die Zusammenarbeit mit Eichberg-Aue gestaltete sich nicht sehr harmonisch. Das kleine Werk geriet den ihm weit überlegenen Vertragspartnern gegenüber stark ins Hintertreffen und wurde von diesen als Last empfunden. Schon in den ersten Monaten ergab sich eine bedeutende Unterlieferung Eichberg-Aues, über deren geldliche Abgeltung Verhandlungen eingeleitet wurden. Man kam schließlich im Juni 1924 überein, das Eichberger Werk gegen eine entsprechende Entschädigung überhaupt stillzulegen. Doch konnte man sich über deren Höhe nicht einigen, zumal da der um die Wende 1924/25 erfolgende Abschluß des großen Magnesitkartells die Lage noch komplizierte. Nachdem die Vereinigung der Magnesitwerke glücklich zustande gekommen war, begehrte Eichberg-Aue; nunmehr Mitglied des Kartells, die Auflösung des Gemeinschaftsvertrages mit Veitsch-Miag-Steirische MIAG. mit 1. Oktober 1924, als dem Beginn des neuen großen Verbandes; und den Ausgleich der Lieferungsruckstände. Die spätere Verlegung des Wirksamkeitsbeginnes des Kartells auf den 1. Februar 1925 führte zu einer Nachtragsforderung Eichberg-Aues, führte zu Differenzen; da man auch über die Höhe des Anspruches verschiedener Meinung war. Nach Monate sich hinziehenden Verhandlungen; und nachdem man sogar ein Schiedsgericht bemüht hatte; kam endlich Anfang Jänner 1926 ein Ausgleich auf der Grundlage zustande, daß Eichberg-Aue sich mit einer von Veitsch-Miag zu leistenden Zahlung von $ 10.000.- für befriedigt erklärte. Im Kartell hatte Eichberg-Aue, das auch jetzt den Betrieb nicht wieder aufnahm, seine Kontingentquote an die Österreichisch- amerikanische Magnesit A. G. (Radenthein) verkauft.

Wenige Monate danach, im Mai 1926, bot Samuel Geiringer, der sämtliche Gesellschaftsanteile der Eichberg-Aue Ges. m. b. H. erworben hatte; durch einen Mittelsmann Veitsch das Werk zum Kaufe an, - auch ein Zeichen dafür, daß die Ursachen der zunehmenden Schwierigkeiten des Unternehmens tiefer lagen als in der 1923 mit Veitsch und Mag eingegangenen Verbindung, der die damaligen Gesellschafter gerne die Schuld am Abstieg Eichberg-Aues geben wollten. Veitsch konnte in diesem Zeitpunkte sich nicht sogleich über den Vorschlag Geiringers aussprechen, da zuvor die Frage, ob das Kartell über den 30. September 1927 hinaus verlängern werden würde, klargestellt sein mußte, - also Aufschub der Entscheidung.

Nun wollte Eichberg-Aue, dessen Eigentümer mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, bei den Verhandlungen zur Verlängerung des Kartells seinen Beitritt davon abhängig machen, "daß man den Quotenkauf für die sechsjährige Dauer der neuen Vereinigung finanzierte und hiedurch den Unternehmer wieder rangierte, so daß nach Ablauf der sechsjährigen Kartelldauer Eichberg-Aue neuerlich als selbständiges Werk bei allfälliger Verlängerung des Kartells zu berücksichtigen gewesen wäre". Daran hatten jedoch die Mitglieder des Kartells nicht das geringste Interesse, und so erhielt Veitsch Auftrag und Vollmacht zu Verhandlungen, die auf einen Kauf des Werkes für die Rechnung der Vereinigung abzielten. Damit verfolgte man eine zweifache Absicht: einmal wollte man die endgültige Ausschaltung eines Konkurrenzwerkes, das noch außerhalb des eben erneuerten Kartells stand, erreichen und dann sollte die Gemeinsamkeit dieser Erwerbung den inneren Zusammenhalt des Kartells festigen und die Aussichten zu seiner weiteren Verlängerung nach sechs Jahren verstärken. Um einen Betrag von etwas unter S 1,500.000.- wurde man noch Ende März 1928 handelseins, der auf Veitsch entfallende Anteil belief sich auf S 528.000.-. Die einst den Magnesitwerken Eichberg-Aue zugestandene Quote wurde im Verhältnis der Quoten für A-Produkte der Miteigentümer auf diese verteilt; Veitsch allerdings verkaufte seinen von Eichberg-Aue überkommenen Quotenanteil (vorläufig bis 31. Dezember 1929) an die Österreichisch-amerikanische Magnesit A. G. (Radenthein). Das Werk selbst wurde demontiert und das Gesellschaftskapital, um an Steuern zu ersparen, von S 400.000.- auf S 40.000.- herabgesetzt; im Eigentum der Gesellschaft stehen heute nur noch einige in Pacht ausgetane Gründe.

e) Steirische Magnesit-Industrie A. G.

Die Steirische MIAG. wurde 1920 von der Allgemeinen Depositenbank in Wien im Verein mit der ihrem Industriekonzern eingegliederten Montana Bergbau Ges. m. b. H. gegründet, mit einem Aktienkapital von  K 25,000.000.-, zerlegt in 125.000 Stück voll eingezahlte Aktien zu je K 200.-. Sie übernahm von der Montana das Magnesitwerk Oberdorf (Vorkommen Wiesergut und Kaintaleck) und die ehemals Mayr-Melnhofsche Fabrik für feuerfeste Steine in Leoben-Leitendorf, von der Magnesit-Industrie und Bergbau A. G. das Werk Neuberg im Mürztal-Arzbach und erwarb noch das kleine Vorkommen von Tragail bei Villach in Kärnten. Das Werk Oberdorf erzeugte und erzeugt auch heute noch, da der dort abgebaute Magnesit sehr eisenarm ist (höchstens 1,5% FeO2)., ausschließlich kaustisch gebrannte Ware, in Neuberg-Arzbach auch Sinter. Die Leitendorfer Fabrik brachte damals ziemlich ausschließlich Dinas- und Schamottesteine heraus. Im Jahre 1920 arbeiteten in Oberdorf  vier und in Neuberg drei Schachtöfen, in Leitendorf drei Mendheimöfen. Die bei der Gründung der Steirischen MIAG. vorliegenden Schätzungen der Mächtigkeit der einzelnen Vorkommen gingen zum Teil weit auseinander: bei der Lagerstätte Wiesergut schwankten sie zwischen 100.000 und 666.000

Waggons Rohmagnesit, beim Kaintaleck lagen sie um 600.000 Waggons. In den beiden Werken Oberdorf und Neuberg-Arzbach wurden damals jährlich ungefähr je 15.000 bis 20.000 t erzeugt und zum Versand gebracht.

            Der Steirischen MIAG. waren bei der Gründung große Erwartungen mit auf den Weg gegeben worden, Erwartungen, die sich auf so schmaler Rohstoffbasis nicht erfüllen ließen. Daher die junge Gesellschaft sehr bemüht war, sich weitere Lagerstätten zu erschließen. Aber bei allem ihrem Ausgreifen, ob nun bei Breitenau oder bei Arzbach, stieß sie auf die Veitscher Gesellschaft als ein nicht zu überwindendes Hindernis. In Breitenau kam ihr Veitsch zuvor, und ihr Begehren um käufliche Überlassung des Veitsch gehörigen Adackerschen Vorkommens bei Arzbach begegnete grundsätzlicher Ablehnung. Und als Montana und Magnesit-Industrie und Bergbau A. G., die, mit im Depositenbankkonzern, ihre Hand über die Steirische MIAG. hielten, den ihnen im wirtschaftlichen Wettstreit versagt bleibenden Erfolg mit fadenscheiniger Argumentation vor den Gerichten suchten, verstrickten sie sich nur in aussichtslose Prozesse. Am Ende stand ja doch ein voller Erfolg der Veitscher Gesellschaft, der es gelang, die Steirische MIAG.  zur Teilnahme an der alterprobten Verkaufsgemeinschaft zu bewegen, die seit anderthalb Jahrzehnten Veitsch und die Budapester Mag verband.

            Das am 1. März 1923 nach langwierigen Verhandlungen zum Abschluß gebrachte Übereinkommen zwischen Veitsch-Miag einerseits und Steirischer MIAG. andererseits beschränkte die gemeinsame Verkaufsorganisation der drei Gesellschaften auf Sinter, Ziegel und Rohmagnesit und schloß kaustische Erzeugnisse aus. Den Auslandsverkauf übernahm die Magnesit A. G. (Basel), in die Gebiete der ehemaligen österreichisch- ungarischen Monarchie teilten sich Veitsch und Mag. Dafür machten sich diese beiden Gesellschaften verbindlich, der Steirischen MI AG. bei einer Gesamtmenge anlaufenden Aufträgen auf Rohmagnesit, Sintermagnesit und Magnesitsteine von 150.000 t und mehr 10 % aller einkommenden

Ordres, bei einer Gesamtmenge von 100.000 bis 150.000 t 11 % und bei einer Gesamtmenge von weniger als 100.000 t 12 % zuteilen zu lassen; auf jeden Fall aber garantierten sie der Steirischen MIAG. eine Mindestmenge von 5000 t jährlich. Die Veitscher Gesellschaft im besonderen gestattete der Steirischen MIAG. die Ausübung der ihr zustehenden Abbaurechte auf dem Adacker- und Kohlebnergrund bei Neuberg. Und ganz allgemein erklärten sich alle drei Vertragsteile bereit, "falls im örtlichen Zusammenhang mit Abbauen eines der Vertragsteile Abbaurechte eines anderen Kontrahenten bestehen oder erworben werden sollten, deren Verwertung rationeller von den Abbauen des anderen erfolgen kann, mit dem jeweiligen Inhaber dieser Abbaurechte über die allfällige Überlassung des Abbaues dieser Vorkommen auf Vertragsdauer zu verhandeln". Die übrigen Bestimmungen dieses Übereinkommens, dessen Laufzeit zunächst mit dem 30. Juni 1932 begrenzt wurde, waren die bei allen diesen Verkaufsgemeinschaftsverträgen üblichen.

            In einem drei Wochen später, am 21. März 1923, vereinbarten Nachtrag wurde der Steirischen MIAG. zugestanden, "bis zur Schaffung einer gemeinsamen Verkaufsorganisation für die ehemalige österreichisch-ungarische Monarchie oder Teile derselben ihre Produkte in diesen Gebieten im eigenen Namen und für eigene Rechnung zu den vereinbarten Preisen und Verkaufsbedingungen anzubieten und zu verkaufen", nur mußten natürlich alle derartigen Lieferungen dem Kontrollbüro bekannt gegeben werden. Und ein weiterer Nachhang vom 14. Mai 1923 regelte im Einzelnen die Handhabung der der Steirischen MIAG. zur Ausnützung überlassenen Abbaurechte auf dem Kohlebner- und Adackergrund bei Arzbach. Die Steirische MIAG. fügte sich gut in den Rahmen der Verkaufsgemeinschaft ein, obwohl sie gleich im ersten Jahr bei der Lieferungszuteilung stark zurückblieb: für die Zeit vom 1. März 1923 bis 31. März 1924 betrug der Rückstand bereits rund 4500 t, der mit sFr. 100.000.- . ausgeglichen wurde.

            Das Zustandekommen der Vereinigung der Magnesitwerke im Jänner 1925, der auch die Steirische MIAG. beitrat, bedingte eine Änderung in den Beziehungen der vier zu gemeinsamem Verkauf zusammengeschlossenen Gesellschaften - am 4. August 1923 war als vierter Teilnehmer die Magnesitwerke Eichberg-Aue Ges. m. b. H. dazugekommen -, da die Verpflichtungen des "kleinen" mit denen des "großen" Kartells nicht in Einklang zu bringen waren. Man vereinbarte also, die Verkaufsgemeinschaft auf Verbandsdauer zu suspendieren (Abkommen vom 30. März/30. April 1925), einigte sich nach etwas holprigen Verhandlungen auf eine Zahlung von sFr. 150.000.- an die Steirische MIAG. als Abgeltung ihrer Lieferungsrückstände und auf Übertragung der Verbandsquote dieser Gesellschaft (8 % für Mahlprodukte, 5 % für Steine) an Veitsch, das damit der Österreichisch-amerikanischen Magnesit A.G. (Radenthein) gerade noch zuvorkam, gegen eine Vergütung von $ 6.- je Tonne Sinter und $ 15.- je Tonne Steine (Vereinbarung vom 19. März 1925).

            Das Quotenabkommen vom 19. März 1925 muß von der Steirischen MIAG. doch als recht günstig gewertet worden sein, da sie, als die 11. Hauptversammlung der Vereinigung am 17. November 1926 die Verlängerung des Kartells bis zum 31. Dezember 1927 beschloß, sofort von dem ihr vertragsmäßig zustehenden Rechte Gebrauch machte und die Erstreckung des Vertrages bis Ende 1927 verlangte, Veitsch stimmte zu, obwohl die Lasten dieser Vereinbarung groß und die Gewinnmöglichkeit gering war und obwohl man um diese Zeit ernstlich einen anderen Weg zur Ausschaltung der Steirischen MIAG. als Sinterproduzent erwog. Zunächst dachte man daran, die Kontrolle über die Steirische Gesellschaft zu gewinnen und mit ihr auch das sintererzeugende Werk Neuberg-Arzbach. Aber dann ergaben sich Bedenken, ob nicht 20 % des Aktienkapitals  größer war der Besitz der Montana an steirischen MIAG.-Aktien nicht - doch eine zu schwache Grundlage wären, den Veitscher Einfluß für alle Zukunft sicherzustellen. Man ließ also fürs erste diesen Gedanken  wieder fallen und begnügte sich mit der im Herbst durchgeführten Erwerbung der in Händen der Steirischen MIAG. befindlichen Aktien der Magnesit- Industrie und Bergbau A. G., die die Eigentümer des Werkes Neuberg- Arzbach war.

            Gleichwohl nun mit dem Verkauf Neuberg-Arzbachs die Steirische MIAG. ausschließlich auf die Erzeugung kaustischer Ware beschränkt war, hielt Veitsch nicht nur die enge Verbindung mit der steirischen Gesellschaft auch in den Folgeperioden der Vereinigung der Magnesitwerke fest, sondern verlor auch nie den Plan ihrer Eingliederung in den Veitscher Konzern so ganz aus den Augen; denn das Erzeugungsprogramm der Steirischen MIAG. - kaustischer Magnesit und feuerfeste Steine; welche nicht auf der Basis von Magnesit lagen ---' ergänzte geradezu ideal das der Veitscher Gesellschaft. Allerdings, bis man an seine Verwirklichung schreiten konnte, verging noch über ein Jahrzehnt. Erst Ende 1939 erwarb die Veitscher Gesellschaft, das im Besitz der Montana befindliche Aktienpaket, und begann sofort ihre Stellung durch fortgesetzte Zukäufe auszubauen. über die alten, auch jetzt wieder auftauchenden Bedenken, daß der Umfang des übernommenen Paketes eine sichere Kontrolle der Gesellschaft nicht ver- bürgen könne, hatte man sich hinweggesetzt, da ja schließlich die Montana mit 8000 von 40.000 Aktien die Steirische MIAG. beinahe zwei Jahrzehnte hindurch beherrscht hatte, eine Möglichkeit, die sich aus der Verteilung dieses beliebten Papieres in kleine und kleinste Posten ergab.

            Die Lage der neuen Konzerngesellschaft war damals im ganzen recht günstig: die beiden Werke Kraubath und Oberdorf waren auf Monate hinaus ausverkauft, nur der Absatz der Schamottefabrik Leoben-Leitendorf zeigte eine etwas rückläufige Tendenz. Bedurfte sohin die kaustische Erzeugung keiner besonderen Förderung, so widmete Veitsch der Leitendorfer Fabrik sofort alle Bemühung, um ihr durch Aufrichtung neuer Vertretungen, Beschaffung billiger Rohstoffe und Rationalisierung des Betriebes den Wiederaufstieg zu erleichtern: es wurde die gute Verbindung zu der Westböhmischen Kaolin-, Schamotte- und slovakische Magnesit- werke A. G. ausgenützt und die Budapester Mag der Propagierung der Leitendorfer Erzeugnisse in Ungarn vorgespannt.

            Inzwischen wurden die Käufe von steirischen MIAG.-Aktien weiter fortgesetzt und am 30. Juni 1940 hatte Veitsch bereits 41,44% davon in Händen, ein Hundertsatz, der sich in den Folgejahren, da die Käufe nicht eingestellt wurden, immer mehr den erstrebten 51 % näherte. Diese langsame, aber stetige Vermehrung des Aktienbesitzes schien umso berechtigter, als die Gesellschaft auch unter den schwierigen Verhältnissen des zweiten Weltkrieges durchaus befriedigend arbeitete und erst durch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Jahre 1945 sich zu empfindlichen Betriebseinschränkungen genötigt sah.

            Die Erreichung des letzten Zieles, die Gewinnung der Aktienmehrheit bei der Steirischen MIAG., wurde aber durch ein 1947 seitens der Montana eingeleitetes Rückstellungsverfahren hinsichtlich des 1939 von der Kontrollbank erworbenen, aus ihrem Besitz stammenden Aktien- Paketes verhindert. Nachdem durch den wiederholten Ausspruch der Rückstellungskommission die Veitscher Gesellschaft verpflichtet worden war, die umstrittenen Aktien gegen Zahlung eines Entschädigungsbetrages zurückzustellen, hob 1949 die von ihr angerufene Oberste Rückstellungskommission die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen auf und verwies die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung an die erste Instanz zurück. Jedoch bevor noch dieser Spruch ergangen war, hatte die Montana

die Veitscher Gesellschaft bereits wissen lassen, daß sie in der Steirischen MIAG. mit ihr einvernehmlich zusammenzuarbeiten wünsche. Und da man auch auf Seiten Veitschs einen billigen Frieden einem teueren Krieg vorzog, kam nach mehrmonatigen Verhandlungen im Spätherbst 1949 ein beide Teile befriedigender Ausgleich zustande:

            1. der Montana wurde das aus ihrem Besitz stammende Aktienpaket gegen Zahlung einer entsprechenden Entschädigung zurückgegeben, womit die Montana alle ihre Rückstellungsansprüche Veitsch gegenüber befriedigt erklärte;

            2. zwischen der Montana und Veitsch wurde auf Basis vollkommener Gleichberechtigung auf vorläufig fünf Jahre ein Syndikatsvertrag abgeschlossen. In diesem Syndikat war nahezu die Mehrheit der Steirischen MIAG. vertreten, ihre tatsächliche Erreichung sollte durch weitere Zukäufe angestrebt werden. Durch diesen Syndikatsvertrag wurde ein außerordentlich freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden beteiligten Gesellschaften geschaffen, das für die Zukunft eine gedeihliche Zusammenarbeit gewährleisten konnte;

            3. die Montana und Veitsch gründeten mit Gesellschaftsvertrag vom 29. Juli 1949 die "Magnesit- und Schamotte-Handels-G. m. b. H.", die den Verkauf der sämtlichen Erzeugnisse der Steirischen MIAG. übernahm. Mit diesem Vertrag hatten auch alle Rückstellungsansprüche der Montana an die Steirische MIAG. für befriedigt zu gelten.

            Die seither durchgeführten Käufe von MIAG.-Aktien brachten den Besitz der Veitscher Gesellschaft auf 26 %, und da die Montana über 25 % verfügt, ist die Majorität des Syndikates gesichert.

f) Elektrische Lokalbahn Mixnitz-St. Erhard A. G.

Im Frühjahr 1919 trat die Fa. E. Czeczowiczka & Sohn, die Erbauerin und Besitzerin der Elektrischen Lokalbahn Mixnitz-St. Erhard, die das Werk Breitenau mit der das Murtal durchlaufenden Hauptstrecke der Südbahn verbindet, an die Veitscher Gesellschaft wegen Erhöhung der 1912 beim Bau der Bahn vertraglich festgelegten Frachttarife heran und bot ihr gleichzeitig die Bahn bzw. die in ihrem Besitz befindlichen sämtlichen Stammaktien der Lokalbahn im Nennwert von K 347.800..- - die Prioritätsaktien waren in Händen der Boden-Credit-Anstalt - zum Kaufe an. Nach gründlicher Überlegung aller Umstände entschloß sich der Verwaltungsrat, ohne sich erst auf eine Erörterung der Tariffrage einzulassen, die Lokalbahn zu erwerben, wenn ein wesentlich unter dem Nominale liegender Preis zu erzielen wäre, und sie als Eigenbetrieb zu führen, weil man dann verschiedener im Kleinbahnbetriebsgesetz vorgesehener Erleichterungen teilhaftig zu werden hoffen konnte. Die Verhandlungen mit der Firma Czeczowiczka verliefen günstig, man wurde über einen Preis von K 200.000.-, davon K 10.000.- in Kriegsanleihe gezahlt werden konnten, einig, und im Spätherbst 1919 wurde der Kauf perfekt.

            Die Lokalbahn wurde ein Sorgenkind der Gesellschaft. Der Gedanke, sie in eigener Regie zu führen, war zwar aufgegeben worden, und man hatte die Betriebsführung vertraglich unter Garantie einer Mindestverfrachtung von 25.000 t jährlich der Südbahn-Gesellschaft übergeben, aber für die Gebarungsabgänge mußte Veitsch aufkommen. Und nun ergab gleich das Jahr 1919 einen Verlust von rund K 140.000.-, der sich bei Hinzurechnung der Verlustvorträge aus den Vorjahren nahezu verdoppelte. Dieses bedeutende Defizit hatte seine Ursache in einem beträchtlichen Nachhinken der Frachterhöhungen, die erst mit 1. November 1919 in Wirksamkeit traten, während die Betriebsauslagen schon das ganze Jahr über in raschem Anstieg waren. Die Gesellschaft deckte den Abgang durch eine der Südbahn geleistete Nachzahlung auf die Frachten des Werkes Breitenau. In den nächsten zwei Jahren schloß die Lokalbahn dann wohl mit kleinen Überschüssen, stand aber vor der Notwendigkeit, ihren Wagenpark zu vergrößern, wozu eine Summe von 10 bis 15 Millionen Kronen erforderlich war; man hoffte, diese Kosten aus den Betriebserträgnissen bestreiten zu können, mußte aber doch mit einem Kredit aushelfen, weil die neuen Waggons bezahlt werden mußten, bevor noch die deckenden Gelder eingingen. Und dann schloß das Jahr 1923 doch wieder mit einem Abgang. . .

            Kritisch wurde die Lage 1925/26. Am 31. Dezember 1925 lief der Frachtengarantievertrag ab. 1924 und 1925 war das Minimalquantum nicht erreicht worden, weshalb Veitsch die Fracht der Fehlmenge - rund S 90.000.- nachzahlen mußte. Konnte mit dieser Summe der Betriebsabgang 1924 gerade noch ersetzt werden, so blieb der des Jahres 1925 bereits unbedeckt. Schwerer aber fiel noch ins Gewicht, daß der Gesellschaft keine Mittel für die unumgänglichsten Investitionen zur Verfügung standen, daß also mit einer herabgeminderten Leistungsfähigkeit der Bahn, mit Betriebseinschränkungen, ja zeitweisen Betriebseinstellungen zu rechnen war. Eine Beistellung der erforderlichen Mittel durch die Veitscher Gesellschaft hätte die Gestehungskosten des Werkes Breitenau unerträglich erhöht und mußte schon aus diesem Grunde abgelehnt werden. Doch selbst wenn Veitsch willens und in der Lage gewesen wäre, einzuspringen - die Bahnverwaltung hatte den Betriebsvertrag mit Ende 1926 zur Auflösung gebracht und damit die Zukunft der Lokalbahn gänzlich ins Ungewisse gestellt, so daß sich der Verwaltungsrat zur Stilllegung des Werkes Breitenau ab 1. April 1926 gezwungen sah. Dazu kamen noch andere Mißlichkeiten. So hatte die Veitscher Gesellschaft eine von der Lokalbahn bei der Boden-Credit-Anstalt aufgenommene Obligationsanleihe in Höhe von K 1,365.000.- zur Rückzahlung gebracht, konnte aber die Ausfertigung der Löschungsquittung trotz Ausstellung einer "Kautel für den Fall einer in der Zwischenzeit erfolgenden gesetzlichen Regelung der Valorisierung bereits bezahlter Hypothekarschulden" die längste Zeit nicht er- reichen. Und das Defizit nahm eher zu als ab. . .

            Da die Bundesbahnen einer Übernahme der Lokalbahn ablehnend gegenüberstanden, trat man an das Land Steiermark heran. Eine Besprechung mit den Vertretern des Landes, die am 4. Oktober 1926 stattfand, ergab die grundsätzliche Geneigtheit der Steiermärkischen Landesbahnen, die Lokalbahn Mixnitz-St. Erhard ihrem Betriebsnetz einzugliedern: das Land Steiermark verlangte nur die unentgeltliche Überlassung eines Aktienpaketes der Lokalbahn im Ausmaß von höchstens 50 % des Aktienkapitals und die Wiederaufnahme des Betriebes im Werk Breitenau mit einer Frachtengarantie von jährlich 15.000 t, wogegen es die Tarife entsprechend herabsetzen wollte; Voraussetzung für die Betriebsübernahme durch die Steiermärkischen Landesbahnen war allerdings die Gewährung eines günstigen Anschlußvertrages durch die Bundesbahnen. Und in einer zweiten Aussprache, am .15. November 1926, konnten bereits die Richtlinien für ein verbindliches Abkommen ausgearbeitet werden. Dieses sollte im Wesentlichen ungefähr die folgenden beiderseitigen Verpflichtungen festlegen:

            1. Die Veitscher Gesellschaft hätte .dem Lande Steiermark unentgeltlich 40 % des Aktienkapitals der Lokalbahn abzutreten. Das Land Steiermark würde dann mit der Gesellschaft hinsichtlich des gemeinsamen Aktienbesitzes einen Syndikatsvertrag schließen, der nur gleichzeitig mit der Betriebsführung kündbar sein sollte. Bei Auflösung des Syndikates hätte das Land Steiermark die ihm überlassenen Lokalbahnaktien unentgeltlich der Gesellschaft zurückzustellen. .

            2. Die Lokalbahn sollte mit der Betriebsdirektion der Steiermärkischen Landesbahnen auf unbestimmte Dauer bei halbjährlicher Kündigung einen Betriebsführungsvertrag "auf Basis der Selbstkosten Rechnung plus einem 5 % igen Zuschlag" schließen.

            3. Die Veitscher Gesellschaft sollte der Lokalbahn eine jährliche Mindestverfrachtung von 11.750 t = S 53.180.-- garantieren, wogegen sich

            4. Lokalbahn und Betriebsdirektion der Steiermärkischen Landesbahnen verpflichten wollten, die Frachtsätze nicht über das gegenwärtige Ausmaß zu erhöhen.

            5. Um die Beschaffung der für Investitionszwecke notwendigen Gelder im Kreditwege für die Lokalbahn würden sich einvernehmlich Land und Gesellschaft bemühen.

            6. Die Gesellschaft wollte zur Beförderung des notwendigen Personalabbaues bei der Lokalbahn die Gekündigten in ihrem Werk Breitenau einstellen.

            7. Mit der Bundesbahn wäre ein nach "Möglichkeit auf Basis eines Bruttoeinnahmenperzentsatzes" aufgebauter Anschlußvertrag auszuhandeln und

            8. mit dem E-Werk Mixnitz ein Stromlieferungsabkommen zu treffen.

            Die mit den Bundesbahnen nun unverweilt eingeleiteten Verhandlungen führten bereits am 17. Februar 1927 zu einem positiven Ergebnis. Der jetzt vereinbarte Vertrag sah neben einer Mindestgarantie von S 15.000.- eine nach dem Verkehr in Tonnen gestaffelte Abgabe vor; für die Verzinsung des Anlagekapitals wurden jährlich S 2400.- angenommen, für die das Bundesministerium für Handel und Verkehr bei einem allfälligen Betriebsabgang eintreten zu wollen erklärte.

            Damit war der Weg zu einer endgültigen Absprache mit den Steiermärkischen Landesbahnen frei. Es ergab sich allerdings gegenüber dem im November des Vorjahres vereinbarten Vertragsschema noch eine wesentliche Änderung, indem das Land Steiermark aus politischen Gründen die Übernahme des angebotenen Aktienpaketes ablehnte und dafür eine Haftung bei allfälligen Betriebsabgängen von der Gesellschaft begehrte. Aber da Veitsch diese zusätzliche Belastung auf sich nahm, kam schon kurz nach dem Abschluß mit den Bundesbahnen ein Vertrag mit der Direktion der Steiermärkischen Landesbahnen auf folgender Grundlage zustande: ..,

            Die Direktion der Steiermärkischen Landesbahnen übernahm rück- 1 wirkend mit 1. Juli 1927 den Betrieb der Lokalbahn gegen Vergütung der  Selbstkosten, denen als Beitrag zu den Zentralleitungsspesen lediglich 10 %  zugeschlagen werden sollten. Veitsch übernahm eine Frachtengarantie für 11.750 t jährlich und eine Garantie für einen allfälligen Betriebsabgang bis zu einem Gesamthöchstausmaß von S 20.000.- jährlich. Die Lokalbahn  hatte die zur Durchführung der unumgänglichen Investitionen notwendigen Mittel im Gesamtbetrage von S 63.000.-, verteilt auf drei Jahre, zur Verfügung zu stellen.

            Freilich, die im Verwaltungsrat der Gesellschaft ausgesprochene Hoffnung, auf dieser Grundlage werde die Lokalbahn nunmehr rentabel geführt werden können, erfüllte sich nur in beschränktem Umfang. Immerhin, der Betriebsabgang für 1927 betrug bloß noch S 3500.- und er sank 1928 noch weiter ab, und 1929 ergab sich nach Jahren zum ersten Mal wieder ein Betriebsüberschuß von mehr als S 10.000.-. Dann jedoch machte die schwere Wirtschaftskrise alle Bemühungen wieder zunichte: 1930 ergab sich bereits neuerlich ein Defizit von über S 4000.-, dieses stieg 1931 auf S 54.000.- und 1932 trotz weitestgehender Ersparungsmaß nahmen auf S 66.000.-. Nun faßte man einen äußersten Entschluß: man beantragte 1933 beim Bundesministerium für Handel und Verkehr die Einstellung des Betriebes. Das Ministerium stimmte angesichts der schwierigen Lage grundsätzlich zu, forderte jedoch die Lokalbahn auf, noch einmal im Wege von Verhandlungen mit den maßgeblichen Faktoren, wie Steiermärkisches Landeseisenbahnamt, Bundesbahnen, Personalvertretung und Elin, welche den Strom lieferte, zu versuchen, die Betriebsausgaben so weit herabzumindern, daß auch bei schwachem Betrieb das Defizit eine erträgliche Höhe nicht überschreite. In den daraufhin eingeleiteten Besprechungen gelang es tatsächlich, die Personallasten um rund 18 %, die dem Landeseisenbahnamt zustehenden Zentralleitungsspesen um 50 %, die Anschlußkosten in Station Mixnitz gleichfalls um 50 % und das Strompauschale um rund S 6000.- im Jahr zu senken. Dieser Erfolg ermöglichte die Aufhebung des Einstellungsbeschlusses. Und wenn auch der Jahresabschluß 1933 noch einen Fehlbetrag von S 31.500.- auswies, so kamen doch die Sparmaßnahmen bereits zu deutlicher Auswirkung, denn von dieser Summe stammten S 30.000.- noch aus der Zeit vor der Ausgabenreduktion. Die Sanierung der Lokalbahn wurde dann vollendet durch die in der Bilanz für 1934 durchgeführte Abschreibung der der Veitscher Gesellschaft an die Lokalbahn zustehenden Forderung von nahezu S 300.000.-.

            Die Folgejahre erbrachten zumeist bescheidene Betriebsüberschüsse - allerdings, immer blieb die Lokalbahn in Gedeih und Verderb' aufs engste verbunden mit dem Werk Breitenau, blieb und bleibt sie unmittelbar abhängig von dem Auf und Ab der wirtschaftlichen Konjunktur.